Jochen Near Homburg 37 – der persönlichste Reisebericht

//Jochen Near Homburg 37 – der persönlichste Reisebericht

Jochen Near Homburg 37 – der persönlichste Reisebericht

Liebe Freunde und Bad Homburger,
die 3 Wochen seit meiner Rückkehr aus Nordhessen waren sehr ereignisreich. Die beherrschenden Themen waren Corona, die Wahlen in den USA und die anstehende Modernisierung unserer Siedlung.
Im Fußball ist die Frankfurter Eintracht eher Mittelmaß, und die Offenbacher Kickers in der 3. Liga. Beim Robert-Koch-Institut halten unsere beiden Städte allerdings leider seit Anfang Oktober unglücklicherweise konstant obere Tabellenplätze zur Corona-Inzidenz. Was mich im Hinblick auf das täglich im öffentlichen Raum zu beobachtende Verhalten und immer noch täglich ein- und ausgehende Flüge und Fernbusse in Hochrisikogebiete wie Tschechien und den Balkan nicht wundert. Bad Sooden-Allendorf im Norden Hessens, das Endpunkt meiner Tour im Oktober gewesen war, wurde vor ein paar Tagen im Radio von HR 1 als lobendes Beispiel beschrieben. Immerhin eine Kleinstadt und Kurstadt haben sie es dort durch achtsamen Umgang miteinander geschafft, dass sie dort in einer Woche nur einen Fall hatten. Auch der dort nahe Wartburgkreis und die Mittelstadt Eisenach mit vielen Touristen glänzen seit Monaten durch niedrige Inzidenzen und sind auf der ansonsten gerade im Süden und Westen Deutschlands hellroten bis violetten Karte des Robert-Koch-Instituts immer noch ein hellgrauer Fleck. Der Teil-Lockdown seit 2 Wochen hat immerhin zu einer deutlichen Verlangsamung des vorher exponentiellen Anstiegs geführt und deutet allmählich auf eine Stabilisierung auf hohem Niveau. Das ist angesichts der Folgen mit einer hohen Anzahl von schweren Erkrankungen immer noch zu viel; und deshalb gehe ich von einer Fortdauer des jetzigen Lockdowns bis zum Frühjahr aus.
Tagsüber sind gerade bei dem jetzigen „Nach-Sommer“ viele Menschen draußen, abends aber wird es wie schon beim 1. Lockdown sehr leer. Auch ich fühle den Mangel an sozialen Kontakten, sowohl mit Freunden wie informelle Begegnungen. Das scheint vielen so zu gehen. Begegnungen unterwegs oder beim warten auf abzuholende Speisen und Getränke werden gern zur Begegnung auch unter Fremden genutzt. Viele sind der Einschränkungen müde und stellen diese vermehrt in Frage. Grundsätzlich sehe ich den Schutz unserer Gesundheit als vorrangig an und betrachte nicht-achtsames Verhalten als genauso unverantwortlich wie Rauchen an der Tankstelle. Aber auch ich frage mich nach dem Sinn mancher Einschränkung, wenn z.B. eine Begegnung draußen mit 2 Metern Abstand nach den mir bekannten Informationen nur mit minimalem Risiko behaftet sein sollte. So erscheinen mir eine grundsätzliche Maskenpflicht in ganzen Stadtbereichen draußen im öffentlichen Raum und das Verbot des Treffens von mehr als 2 Haushalten draußen auch mit 2 Metern Abstand als fraglich. Gleichzeitig gibt es für aus Prag und dem Balkan ankommende Buspassagiere keine Teststation am Fernbusbahnhof, und auch die Maskenpflicht wird selten kontrolliert. Selbst entsprechende Hinweisschilder sind in Frankfurt selten. Als Radfahrender besteht für mich grundsätzlich keine Maskenpflicht. Das wäre auch bei längeren Strecken arg behindernd. Wenn es, wie am Mainufer, voll ist, setzte ich aber schon mal freiwillig eine auf. Wie ich an Litauen sehe, helfen auch hohe Geldbußen wenig. Ich denke da an ein andere Strategie. Die sollte vor allem auf eine wirksame Werbe-Kampagne setzen und sich da bei der Wirtschaft umsehen. Die schafft es ja vielfach, Menschen auch für Produkte – oder Politiker – mäßiger Qualität und hohen Preisen zu begeistern. Dann soziale Kontakte in Netzwerken und auch gerade unter Migranten, da könnten deren Netzwerke und auch unser Amt für multi-kulturelle Angelegenheiten Ausgangspunkte sein.
Thema USA-Wahl: Die Präsidentenwahl in den USA hat uns alle gerade in der ersten Novemberwoche sehr in Atem gehalten; und mit Spannung verfolgte ich, wie nach und nach viele der einzelnen „Swing States“ erst hell- und dann dunkelblau wurden und damit ins Biden-Lager schwangen. Große Erleichterung, als Pennsylvania – der Heimatstaat meiner langjährigen Freundin Amy – sich zu Biden bekannte. Damit sind die USA als Europas wichtigster Partner endlich ins Lager der Demokratie zurückgekehrt und Biden versprach auch als erste Maßnahme, sich um einen wirksamen Kampf gegen Corona zu kümmern. Ein Hoffnungsschein ist auch bei Corona zu sehen: Das deutsch-amerikanische Unternehmen Biontech / Pfizer hat einen Impfstoff mit hoher Wirksamkeit entwickelt und hat jetzt das Zulassungsverfahren gestartet. Genauso, wie auch für die Amtsübernahme von Biden noch gut 2 Monate vergehen und die Bewältigung der Folgen der Trump-Autokratie noch längere Zeit brauchen wird, ist es mit dem Impfstoff. Auch die Zulassung braucht einige Zeit und könnte im günstigsten Fall mit dem Amtsantritt von Biden am 20. Januar zusammenfallen. Dann brauchen Herstellung und Entwicklung des Impfstoffes eine deutliche Zeit, und so wird uns Corona auch noch absehbar mindestens das ganze nächste Jahr bis ins Frühjahr 2022 beschäftigen, wenn vielleicht auch in zunehmend abgemilderter Form.
Zu allem kommt noch die von unserer Genossenschaft geplante Modernisierung unserer Siedlung dazu. Nach 35 Jahren minimaoistischer Instandhaltung steht jetzt anlässlich der Sperrung unserer Balkone wegen Baufälligkeit ein umfangreiches Programm an. Die Mieten sollen ausdrücklich nicht erhöht werden. Aber die Arbeiten bedeuten Lärm, Staub und viele Einschränkungen und immer wieder Termine von Handwerkern. Viele ältere oder kranke Nachbarn sind wegen Corona besorgt. Auf der einen Seite sollen alle Bürger ihre Sozialkontakte reduzieren. Und jetzt sollen mit einer gewissen Häufigkeit Handwerker ein- und ausgehen, die arbeitsbedingt sehr viele Sozialkontakte haben.
Grundsätzlich stimmen die meisten von uns einer Modernisierung zu. Aber zu einigen Punkten gibt es Fragen, und auch Bedenken. Die Genossenschaft ist nicht gerade deutscher Meister einer gelungenen Kommunikation  und gibt sich in gewohnt bürokratisch-technokratischer Manier. Dabei hat gerade die öffentliche Stadt- und Verkehrsplanung bereits seit Jahrzehnten erkannt, wie wichtig es ist, die Bürger „mitzunehmen“. Aus der eigenen Arbeit ist mir etwa unser Projekt zur „Nahmobilität“ im Frankfurter Nordend noch in sehr guter Erinnerung. Und vom fränkischen Fürth erinnere ich noch die in den 80er eingerichtete „Planungskneipe“ zum Bau ihrer U-Bahn. So wünschen sie sich einerseits eine von uns unterschriebene Zustimmungserklärung, tun aber wenig dafür, uns durch eine gute Projekt-Präsentation zu überzeugen.
So viel für heute – und zunächst auch nur auf Deutsch. Bei sonnigen bis zu 18 Grad geht es gleich nach draußen!
Bleibt gesund !
Herzliche Grüße
Jochen
Dear friends and Bad Homburg readers!
A lot of events side I came back fro my journey 3 weeks ago. Mainly Corona pandemic, but also US presidential elections and modernization project of our block.
Frankfurt soccer team is only middle range, and the Offenbach Kickers are in 3rd league. But our two cities are on top range of Robert Koch Institute´s Incidence table – no reason to be happy. I am not surprised seeing city folks behavior in the public and still daily arrivals of flights and busses from high-risk areas as Czech and the Balkan. Bad Sooden, terminal of my October bicycle ride, was reported at our regional Radio HR 1 to be just the opposite: Just one infection in the last week in the local spa town, due to mindful behavior. Also nearby Wartburg District and city of Eisenach, an important tourist destination keep safe since months, soft grey islands with low incidences against neighboring „red sea“ of Southern and Western Germany.
At least actual „Little lockdown“ since two weeks seems to stop explosion of increasing infections, and we are close to high-level stagnation. But still too much looking to the great number of severe cases and deaths. Politic already discusses lockdown getting harder as in spring, and I suppose we have to deal with until spring.
Recent news about successful development of a vaccine seem to show some light at the end of a long tunnel. Biontech-Pfizer company are hopeful to get admission soon, but it´s
still a long way to produce and handle millions and billions of vaccinations all over the globe.
Also US presidential elections give hope to us, as USA mainly voted for Biden. Not only Democratic party, but also democratic system, as Trump was gliding more and more into autocracy, neglecting pandemic as Belorussian Lukashenko. Watching the counting of the votes was like soccer World Cup, as the counting took some days. At the end the results of Pennsylvania, where my friend since more than 4 decades Amy lives, moved the scales toward Biden. Great relief all over Europe and for most of my friends over the globe. But it´s still a long way, as for the vaccine: Trump still has some more than 2 months. And after January 20th it will be hard work for USA to recover from Trump´s autocracy. First aim will
be to find a way out of pandemics, second to find back to democracy and social peace and economy to recover…
Third event is more local: Our cooperative plans to do a lot of modernization works at our houses and flats next year – after minimum maintenance for about 35 years, causing the closure of our balconies due to safety reasons. They promise not to rise our rents. But we are not happy with all of their ideas, and they don´t accept any change of their ideas. And one year of construction works means a lot of noise and dust and restrictions. And last not least: There are lot of really old or sick neighbors, and we are not happy of a lot of craftsmen going in and out our houses and flats during pandemic. Working in the field of city and transport planning I am used to discuss our plans with local people. So we do since several years. I still remember of a „Planning pub“ city of Fürth (near Nuremberg) introduced during the planning of their metro already in the 80ies. But our cooperative is still in the thinking of the 60ies, just technocrats and bureaucrats. So they say, they would need our agreement for getting admission – but they look to be German Champion in bad communication. 🙁
So long for today. Enjoyed today a really mild and sunny November day with a 60 km bicycle ride to the region East of Frankfurt, ending up in a rainy, but still mild evening.
Stay safe!
Nice greetings,
Jochen
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By |2020-11-24T12:51:40+01:0015.11.2020|Jochen Near Homburg|0 Comments

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Die Gründerin und Herausgeberin von VeronikaVonTsurikov.com wohnt und LEBT (in) Bad Homburg und betreibt hier auch den eigenen gleichnamigen Lifestyle-Blog VeronikaVonTsurikov.com. Immer in Bad Homburg aktiv.

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