Jochen Near Homburg 36 – der persönlichste Reisebericht

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Jochen Near Homburg 36 – der persönlichste Reisebericht

Liebe Freunde und Bad Homburger,
Sonntag Morgen sah ich mir erst einmal die alte Linde von Schenklengsfeld und den alten Friedhof an. Ein Stück ging es noch aufwärts, dann hinunter zur Werra. Ich war im Hessischen Teil des Kali-Reviers an der Werra. In Heimboldshausen blickte ich Werra-aufwärts auf eine große Salzhalde. Ein paar Kilometer flussabwärts gab es in Heringen ein Bergbaumuseum, das ich besuchte. Fast wie im Ruhrgebiet, mit Fördertürmen und Grubenbahn. Nur die Halden sind an der Werra weiß – Salz. Im Museum lernte ich einiges über den Abbau und die Bedeutung von Kali vor allem als Dünger für die Landwirtschaft. Kali ist eng mit Salz verbunden, beide werden mit verschiedenen Verfahren getrennt. Da Kali das wertvolle Mineral ist, landet das Salz auf den weißen Bergen.
Als ich aus dem Museum kam, hatte inzwischen der im Wetterbericht angekündigte Regen eingesetzt. Da half auch nicht, erst einmal zwei Waffeln zu essen und Kaffee zu trinken – es regnete immer noch. Die örtlichen Hotels waren schon von anderen Radfahrern belegt. Also musste ich weiter, immerhin war es eher Nieselregen und immer noch verhältnismäßig warm. Ein paar Kilometer nördlich die Landesgrenze zu Thüringen. Eine Gedenktafel erinnerte an die deutsche und europäische Teilung bis zum November 1989. Ich erinnere mich selbst noch gut an die Zeit, als die Welt östlich von Lübeck, Helmstedt und Duderstadt nur mit großen Umständen zugänglich war. Im thüringischen Berka fand ich dann im Gasthof Zur Post ein warmes Zimmer und eine sehr freundliche Bedienung. Und natürlich ein leckeres Abendessen.
Am Montag war es dann trüb und kühler, aber immerhin trocken. Ein Spaziergang durch den Ort zeigte mir, dass Martin Luther 1521 auch schon dort gewesen war. Eine alte aufgegebene Brauerei, auf deren Schornstein ein Storchenpaar nistete. Und weitere Spuren des Verfalls, der im wesentlichen auf die Mangelwirtschaft der DDR zurückgeht und auch von der bundesdeutschen Marktwirtschaft gerade dort nicht aufgehalten wird, wo wenig Gewinn zu erwarten ist. So entdeckte ich eine etwa 25 Jahre alte Verkaufstafel für ein Wohnhaus, in D-Mark und mit 4-stelliger Postleitzahl. Ein Stückchen weiter traf ich ein Pärchen wieder, das ich am Abend vorher in der Rhön getroffen hatte. Sie kamen aus Köln und wollten noch bis zum Wochenende nach Dresden. Ein Stück fuhren wir zusammen; dann fuhren sie mit größerem Tempo als ich zu ihrem weiteren Ziel. Der thüringische Teil des Werratals war zu DDR-Zeiten Sperrgebiet. So blieb das Flusstal verhältnismäßig unberührt, vom Kalibergbau abgesehen. Und auch die hessische Seite lag buchstäblich „am Ende der Welt“. Hinterm östlichen Horizont waren die Sperrzäune und Minenfelder der DDR.
Heute gibt es viel Natur dort. Bei Gerstungen sah ich auf einer Wiese 5 Storchenpaare, und eine Frau erzählte mir, dass es dort eigentlich noch mehr wären. Zwischendurch wechselte ich zurück und nach Hessen, und wieder nach Thüringen. In Hörschel legte ich eine Rast ein. Hier beginnt der Rennsteig; und dort hatte ich vor vielen Jahren – 1997 – eine winterliche Wanderung über den Rennsteig begonnen. Die führte mich in 4 Tagen über etwa 60 km bis nach Oberhof, wo für eine Fortsetzung zu Fuß zu viel Schnee lag.
Hier verließ ich das Tal der Werra, die ihren Lauf nach Norden in Richtung Kassel wendet, um in Hannoversch Münden die Fulda zu küssen und mit ihr zur Weser zu werden. Ich folgte dem Tal des Hörselbachs aufwärts nach Osten und war bald in Eisenach – berühmt für Luthers längeren Aufenthalt in der Wartburg. Und später für die Produktion der Wartburg-Autos, die nach der Wende von Opel übernommen wurde. Mein Ziel war Gotha, wo ausschließlich historische Straßenbahnen unterwegs sind. Ein Teil des Netzes ist die Thüringerwaldbahn ins etwa 20 km südwestlich gelegene Bad Tabarz. Deren Strecke lag fast auf meinem Weg, und so übernachtete ich im Städtchen Walthershausen. Die Hotelsuche war etwas schwierig, und so liess ich mir von einem örtlichen Bestattungsunternehmer den Weg zum Rathaus-Hotel erklären. Da war ich zwar schon vorbeigekommen, aber hatte es nicht als Übernachtungsherberge erkannt. Dort fand ich mich zu moderatem Preis in einem tollen Zimmer – der Hochzeits-Suite mit Himmelbett. Die passende Braut muss ich zwar noch finden, aber das passende Hotelzimmer habe ich schon. Und auch den passenden Hochzeitsort: Deutschlands älteste Linde in Schenklengsfeld ist auch eine Außenstelle des Standesamtes.
Noch am Abend und am nächsten Tag (Dienstag) ging ich dann auf Straßenbahn-Fototour. Im östlichen Teil des ausgedehnten Städtchens gibt es ein Gleisdreieck der Thüringerwaldbahn. Dort zweigt eine etwa 2 km lange Strecke bis zum Bahnhof der Eisenbahn in Walthershausen ab. Und da ich von Gotha ohnehin meinen Zug zurück nach Frankfurt hatte, begleitete ich die Thüringerwaldbahn mit dem Fahrrad.
Es gibt aber nicht nur Straßenbahnen zu sehen, sondern auch wieder barocke Engel. Und zwar in der Stadtkirche von Walthershausen, die für dieses kleine Städtchen einen großzügigen Bau darstellt, mit gleich 2 Emporen mit Bänken für die Besucher.   Die Bürgerschaft der Stadt wollte den Bau gar nicht, aber der Herzog von Sachsen-Gotha-Altenburg wollte und bezahlte. Und die Stadtkirche von Walthershausen wurde dann Vorbild für den Bau der Frauenkirche in Dresden.
Auch in Gotha noch etwas Stadtbesichtigung, und dann mit dem Zug zurück nach Frankfurt am Main. Mit der Bahn schaffte ich dann die Fahrradstrecke einer Woche in 2 Stunden.
Bleibt gesund.

Liebe Grüße,
Jochen
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39 On Tour again – Sunday, August 30th to Tuesday, September 1st: From Rhön mountains to Gotha in Thuringia
Dear Friends and Bad Homburg readers,
before leaving to nearby Thuringia I had looks at the old linden-tree and at the old local cemetery. Just some kilometers uphill, then down to Werra valley. I had reached potash mining area around river Werra with a great white salt hill near Heimboldhausen. Some down the river I visited Heringen Mining Museum. Reminding to Ruhr district, with headframe and mine trains. I learnt about potash mining and its importance especially for agriculture. As potash is in connection with salt, both minerals have to get divided. And as potash is more useful than salt, salt gets onto the big white mountains.
Leaving museum, rain started. So I had some coffee and waffles, but rain did not stop. As the few local hotels were already full with other bicyclists, I continued down the river by soft drizzle. Reaching Thuringia border with a large memory board reminding to division of Germany and all Europe until 1989. I still have that time in mind, when free world ended just East of Lübeck, Helmstedt and Duderstadt, to have a lot of bureaucratic action to get most places beyond this line. And even to get to Western Berlin by road or rail, you had to cross GDR by a transit visa.
I was lucky to find a warm room at Post Inn at first place in Thuringia, Berka on Werra. And a very friendly waitress and a good dinner. Walking by the place on Monday morning – cool and cloudy, but no rain. Martin Luther ha been there, too – in 1521. Actually visitors were a pair of storks on given-up brewery´s chimney. Some more lost places due to mismanagement of GDR, which also was n´t stopped by modern market economy. So I discovered a family house sale-board with Deutsche Mark prizes and four-digit zip code, which had been in use until 1993. Meeting a couple I had met the day before at Rhön mountains. There were cycling from Cologne to Dresden, getting from the very West of Germany to its very East by a lot of mountains, and much faster than I. So we just spent a short time together, as they wanted to get to Dresden until the end of the week. Discovering Werra valley, where Thuringia meets Hesse. So the whole Thuringia part had been restricted area of GDR, as it was next to the border, kind of a lost place, what was bad for people living there, but good for nature. Somehow the same in Hesse. There were no restrictions to live or to visit there, but it was some kind „end of the world“ with poor economic activities. Just barrier fences and minefields at Eastern horizon.
Now it´s a nature resort, and I following the Werra trail, I crossed twice the border between – just two German states now. Stopping at Hörschel near Eisenach, where Werra river is turning into Northern direction, and according to an old German proverb, to kiss river Fulda near Kassel and both rivers to become river Weser as the result of this marriage. It is the beginning of Rennsteig hiking trail, which runs by some 170 km all over Thuringia Forest. Reming winter 1997, when I also walked part of this trail by some 50 km to Oberhof in 4 days, until deep snow stopped further walking. From Hörschel Brautgasse („Bride Lane“) getting East by another valley called Hörselbach. Getting to Eisenach, where Martin Luther had a long stay at Wartburg castle – which gave its name to the GDR limousines.
My destination was Gotha, just halfway between Eisenach and Erfurt. Their tramway is running only historic wagons, their own Gotha trains, Tatra cars, which were common to all Comecon, and old West German Duewag trams built in the 60ies. Now they also got some Swiss cars from Basel. They have an urban system and also regional Thüringerwaldbahn, running some 20 km South-West to Bad Tabarz at the bottom of Thuringia Forest. As it was just on my route, I stayed at Walthershausen, where a local branch serves the small city.
I stayed at City hall hotel at wedding suite for a modest rate. So I enjoyed a large apartment with balcony and a canopy bed. I still just have to find my wife, but I have got a nice official wedding place at Schenklengsfeld Linden tree, and a nice place for „first night“. I spent Monday evening and great part of Tuesday taking a lot of tramway pictures, riding mostly my bicycle along the tramway line. But I also could enjoy some more angels at Walthershausen City church. It is really a huge building for a small town. But the Duke of Saxonia-Gotha-Altenburg state wanted it and paid for it. And some later Walthershausen church was the idol for Dresden Lady´s Church.
Travelling back to Frankfurt: Just some 2 hours for the route of one week´s bicycle ride.
Please stay healthy!
Nice greetings,
Jochen
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By |2020-12-08T12:07:58+01:0017.09.2020|Allgemein, Jochen Near Homburg|0 Comments

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Die Gründerin und Herausgeberin von VeronikaVonTsurikov.com wohnt und LEBT (in) Bad Homburg und betreibt hier auch den eigenen gleichnamigen Lifestyle-Blog VeronikaVonTsurikov.com. Immer in Bad Homburg aktiv.

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