Ansprüche an Innenstädte hoch | Ergebnispräsentation der Passantenbefragung in der Bad Homburger Innenstadt

Ende letzten Jahres hat die IHK Frankfurt am Main gemeinsam mit der Stadt Bad Homburg im Rahmen des Projekts „Vitale Innenstädte“ des Instituts für Handelsforschung (IfH) in Köln eine Passantenbefragung in der Bad Homburger Innenstadt durchführen lassen.

Management Summary der Stadt Bad Homburg

Erwartungsgemäß ist das Gesamtergebnis mit der Durchschnittsnote 2,4 positiv ausgefallen. Bad Homburgs Innenstadt wurde im Vergleich mit ähnlich großen Städten überdurchschnittlich gut bewertet. 50 Prozent der Befragten bewerteten die Innenstadt-Attraktivität mit der Schulnote gut. Bei den Beurteilungskriterien wie Anmutung der Gebäude, Straßen, Plätze, Sehenswürdigkeiten, Sauberkeit, Sicherheit und Lebendigkeit bewegten sich die Bewertungen zwischen den Schulnoten eins und zwei, das bedeutet die Aufenthaltsqualität stimmt. Auch die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln, die Erreichbarkeit mit dem Auto, die Ladenöffnungszeiten, das gastronomische und Dienstleistungsangebot erhielten ebenfalls eine gute Benotung.

„Ein gutes Ergebnis für das man sich an vielen Stellen und besonders beim Handel bedanken muss“,

so Oberbürgermeister Alexander Hetjes. Jedoch dürfe man sich auf diesen Lorbeeren nicht ausruhen.

„Wir werden seitens der Stadt in Zukunft viel dafür tun, dieses gute Ergebnis zu halten und weiter zu verbessern“,

sagt Hetjes zu.

Parksituation

Nicht ganz so gut, nämlich mit der Schulnote 3, bewerteten die Befragten die Parkmöglichkeiten in Bad Homburg. Dies ist insofern relevant, da die Befragung gezeigt hat, dass gut 40 Prozent der Besucher der Innenstadt mit dem Auto kommen. Bei weiterer Nachfrage antworteten gut 66 Prozent, es gebe genügend Parkmöglichkeiten. Ein knappes Drittel war anderer Meinung. Gut 80 Prozent der Befragten waren der Meinung, dass die vorhandenen Parkplätze hinreichend nah zu ihren Einkaufszielen sind. Angesichts der Parkhäuser entlang der Fußgängerzone Louisenstraße sowie den Parkmöglichkeiten an den angrenzenden Straßen ist die Innenstadt relativ gut ausgestattet, meint die IHK, wobei sich auch die Frage stellt, wo in der Nähe der Einkaufsziele weitere Parkmöglichkeiten geschaffen werden könnten. Bei der Angemessenheit der Parkgebühren meinten gut 40 Prozent, sie seien angemessen, die übrigen Befragten hielten sie für zu hoch. Mit 1,50€ für die ersten zwei Stunden und jeder weiteren Stunde für 1,50€, liegen die Parkgebühren in Bad Homburg jedoch unter dem Bundesdurchschnitt (1,50€/Stunde) und auch im regionalen Vergleich im Durchschnitt oder darunter.

Auch wenn dies bereits ein attraktives Angebot darstellt, sollte man aus Sicht der IHK prüfen, ob durch unentgeltliches Kurzzeitparken („Brötchentaste“) die Attraktivität der Einkaufsmeile noch zusätzlich erhöht werden könnte.

Hinweis auf Medienproduktion

Zum Thema Parksituation haben wir selber in der Redaktion festgestellt, dass für wenige Minuten – sprich rein fahren, eine Runde drehen und wieder raus fahren – immerhin noch 50 Cent erhoben werden. Wir testen demnächst aber auch das Karstadt Parkhaus, welches als eines der letzten und hoch gelobten Parkplatz-Standorte in Bad Homburg gefeiert wird.

Freizeitangebote

Die Frage nach dem Freizeitangebot, wie Kino, Theater, Museen, Ausstellungen, Fitnessangebote, etc. wurde ebenfalls nicht ganz so gut mit der Note 3 bewertet. OB Hetjes verwies darauf, dass ein Kino in Planung ist. 58 Prozent der Befragten antworteten, dass sie bei ihren Besuchen Angebote der Kurstadt, wie das Kur Royal, den Kurpark, die Spielbank, das Schloss usw. in Anspruch nehmen. Dies zeigt aber auch, dass die Besucher Bad Homburgs das ungewöhnlich umfangreiche und anspruchsvolle Kultur- und Freizeitangebot wahrnehmen und nutzen. Sehr positiv aus Sicht der Stadt ist zu bewerten, dass mehr als 80 Prozent während ihres Besuches auch das gastronomische Angebot nutzen.

Allgemeine Ausstattung einer Stadt

Die Ausstattung der Innenstadt, wie beispielsweise Sitzgelegenheiten, Spielgeräte, Beleuchtung usw., bewerteten die befragten Passanten ebenfalls mit der Note 3. Aus Sicht der IHK wäre vielleicht etwas mehr Blumendekoration ein Beitrag, das ansonsten hinsichtlich der Fassaden der Geschäftshäuser und der attraktiven Ladengeschäfte sehr ansprechende Ambiente noch weiter zu optimieren. Die Ausstattung mit öffentlichem WLAN ist hingegen beispielhaft aus Sicht der IHK.

Die Stadt weist auf die vorhandene Möblierung der Fußgängerzone und bestehende Spielplätze zum Beispiel im nahegelegenen Kurpark hin.

„Wir nehmen die Anregung allerdings auf, im Hinblick auf eine mögliche Neugestaltung von weiteren Teilen der Fußgängerzone. Diese Punkte würden dann sicher einfließen“,

so Hetjes.

CITY-BOOSTER und das Angebot des Einzelhandels

Beim Einzelhandelsangebot legten die Befragten einen hohen Maßstab an. Bei den Angeboten Uhren und Schmuck, Consumer Electronics, Telekommunikation, Brillen und optische Geräte, Bücher, Drogeriewaren und Lebensmitteln waren die Befragten sehr zufrieden.

Nicht ganz so positiv fiel die Beurteilung bei den Bekleidungsangeboten, Schuhen und Lederwaren, Wohnen, Einrichten und Dekorieren, Büro und Schreibwaren sowie Sport, Spiel und Hobby aus. Für diese Sortimente gaben die Befragten die Schulnote 3. Natürlich ist „das Bessere der Feind des Guten“ und jeder wünscht sich in seiner Heimatgemeinde das komplette Warenangebot, das man selbst in Anspruch nehmen möchte. Festzustellen ist allerdings aus Sicht der IHK, dass für eine Kommune mit mittlerweile etwa 55.000 Einwohnern mit der Louisenstraße eine außergewöhnliche Einkaufsstraße vorhanden ist. Mit rund 1 km Länge zwischen Rathaus und Schloss, komplett besetzt mit Ladengeschäften, ist sie deutlich länger als die Zeil in Frankfurt mit 600 m Länge zwischen Hauptwache und Konstablerwache. Die in Bad Homburg vorhandenen Filialisten wie Karstadt, P & C, C & A sowie Hugendubel sind für Städte dieser Größe eher die Ausnahme. Auch das Einzugsgebiet von Bad Homburg ist nicht so, dass keine Einkaufsalternativen vorhanden wären. In die Innenstadt Frankfurts sind es 17 km und ins Main-Taunus-Zentrum 20 km. Beide Ziele sind über Autobahnen gut erreichbar. Für die Sortimente Wohnen und Einrichten sind die Innenstädte generell auch in Großstädten schwierige Standorte geworden. Diese Angebote finden sich heute meist auf der „grünen Wiese“ oder – wie in Bad Homburg auch im Niederstedter Weg – an der Peripherie von Städten in sehr großflächigen Einrichtungshäusern, die sowohl Möbel als auch einen Großteil der Wohnaccessoires abdecken. Ebenfalls sind Anbieter für Sport-, Spiel- und Hobbyartikel in den Innenstädten selten geworden. Die Sortimente werden zunehmend über Fachmärkte außerhalb der Innenstadt oder übers Internet vertrieben. Ein realistisches Optimierungspotenzial sieht die IHK im Bereich des Schuh- und gehobenen Büro- und Schreibwarenangebots. Dies zu steuern, erläutern die Vertreter der Stadt Bad Homburg, sei schwierig. Zum einen müssten entsprechende Anbieter Interesse an dem Standort Bad Homburg haben, zum anderen entschieden die Vermieter der Ladengeschäfte, an wen sie die Räumlichkeiten vergeben.

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Lieber direkt in den Laden oder online – wie denken die Bürger?

Die Online-Affinität ist bei den Besuchern der Bad Homburger Innenstadt etwas geringer ausgeprägt als im Durchschnitt vergleichbar großer Städte. So ist nur für 34,9 Prozent der Befragten wichtig, sich online über die Geschäfte und andere Angebote der Innenstadt informieren zu können. Der Ortsgrößendurchschnitt liegt bei diesem Ergebnis bei 47 Prozent. Auch die Bestellmöglichkeit via Internet bei den Innenstadtgeschäften ist den Besuchern weniger wichtig als im Ortsgrößendurchschnitt. Das Verhältnis ist hier 23,3 Prozent zu 33,4 Prozent. Bei der Bedeutung der Nutzung des öffentlichen WLAN-Netzes ist der Unterschied nicht so groß. In Bad Homburg war die Nutzung dieses Angebots für 55,7 Prozent relevant gegenüber 57,6 Prozent im Ortsgrößendurchschnitt. Online reservieren oder bestellen in den Geschäften der Innenstadt halten hier 36,5 Prozent gegenüber 44,9 Prozent für wichtig.

Schließlich halten 32,3 Prozent der Befragten lokale Online-Marktplätze (siehe auch Google-Brancheneintrag), die lokale Anbieter präsentieren, für bedeutend. In vergleichbar großen Städten waren es 37,1 Prozent. Möglicherweise hängt das vom Ortsgrößendurchschnitt abweichende Ergebnis auch etwas mit dem höheren Durchschnittsalter der Befragten in Bad Homburg zusammen. Es liegt bei 52,3 Jahren in Bad Homburg und ist damit spürbar höher als im Ortsgrößendurchschnitt der Städte zwischen 50.000 und 100.000 Einwohner, in denen es bei durchschnittlich 45,3 Jahren liegt.

Zum Thema lokaler Online-Marktplatz merken die Vertreter der Stadt Bad Homburg an, das auch hier diskutiert werde, einen solchen Marktplatz zu implementieren. Die Verhandlungen mit den Beteiligten, insbesondere mit der Aktionsgemeinschaft Bad Homburg e.V., einem Zusammenschluss Bad Homburger Geschäfte und Unternehmen und damit Sprachrohr des Handels, laufen derzeit.

„Seit einigen Jahren findet eine massive Digitalisierung im Einzelhandel statt, Einzelhandel und Kommunen müssen darauf reagieren, auch wenn die Besucher der Bad Homburger Innenstadt nicht ganz so internet-affin zu sein scheinen wie anderenorts. Sicher muss nicht jedes Unternehmen einen Webshop betreiben. Eine Onlinepräsenz mit einem eigenen Shop funktioniert in aller Regel für kleine Unternehmen nicht. Allenfalls über Online-Marktplätze, wie eBay, Amazon und andere haben Kleinere noch eine Chance“,

so Matthias Gräßle, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Auch das funktioniere im Wesentlichen nur bei ausgefallenen Artikeln oder sehr preisgünstigen Angeboten.

„Wichtig ist aber für fast alle Unternehmen, im Internet auffindbar zu sein“,

sagte Gräßle. Hierzu müsse der Einzelhandel minimal Informationen ins Netz stellen, wie die Adresse, Kommunikationsdaten, zumindest die Telefonnummer, die Öffnungszeiten, eine Beschreibung des angebotenen Warensortiments und wichtiger Marken, die man führe. Dies sei einerseits über die eigene Internetseite oder aber über Internetverzeichnisse möglich, die von einigen Unternehmen oder der Digitalen Stabsstelle Hessen unter digital-hessen.de angeboten werden.

Über die Besucher der Innenstadt und ihr Einkaufsverhalten hat die Befragung gezeigt, dass 60 Prozent auch in Bad Homburg wohnen, knapp 60 Prozent weiblich sind; beide Werte entsprechen denen vergleichbarer großer Städte. Überdurchschnittlich viele Besucher kommen täglich in die Innenstadt, hier liegt der Wert bei erfreulichen 32,9 Prozent der Befragten gegenüber dem Ortsgrößendurchschnitt von nur 23,5 Prozent. Bemerkenswert hoch ist mit 44,9 Prozent im Vergleich auch der Anteil derer, die drei bis vier Geschäfte aufsuchen, wenn sie in die Innenstadt kommen. Der Vergleichswert liegt hier bei 36,5 Prozent im Ortsgrößendurchschnitt. Gründe für diese positiven Werte sieht die Stadt u.a. auch in der guten Ausstattung der Innenstadt mit Lebensmittel-Märkten, die für Frequenzen und sicherlich auch für den einen oder anderen sogenannten „Verbund-Einkauf“ sorgen.

Zusammenfassung

Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Stadt Bad Homburg mit ihrer Innenstadt in schwierigen Zeiten gut aufgestellt ist, es aber der ständigen Beobachtung der sich rasant verändernden Marktsituation bedarf. Die sich daraus ergebenden notwendigen Anpassungen werden künftig sicher sowohl den hiesigen Einzelhandel als auch die Stadt Bad Homburg, wie alle Kommunen und Unternehmen, noch erheblich herausfordern. Die Rahmenbedingungen der Stadt hinsichtlich ihrer Kaufkraft und des Ambientes sind aber sicher gute Voraussetzungen, sich auch künftig behaupten zu können.

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